Alexander Schlichter

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Das Minimum ist geschafft oder wie finde ich einen Namen

Anfang November 2015 ging nach etwa sechs Monaten Entwicklungszeit die erste Version meiner WUNDERDING-Seite online und damit erblickte mein Minimum Viable Product das Licht der Welt.
Von der Projekt-Idee bis zur Start der Seite lagen drei wichtige Stationen, die alle ganz unterschiedliche Arbeiten erforderten und die rückblickend sicherlich schneller und besser gelöst hätten werden können. Aber das ist ja charakteristisch für eine jede Entwicklung, die man selber zu ersten Mal macht und der Grund für dieses “making of” ist es ja meine Erfahrungen hier mit euch zu teilen.

Also die drei wichtigsten Stationen waren:
1. Namensfindung
2. Struktur, Programmierung und Layout der ersten Webseite
3. Content-Herstellung

Namensfindung scheint ein einfacher und naheliegender Schritt zu sein, doch er sollte sich als durchaus tückisch und langwierig herausstellen. Im Antrag an die Robert-Bosch-Stiftung hatte ich dem Projekt den Namen “Startup Stories” gegeben und auch wenn es den Kern des Produkts schon ganz gut trifft, wollte ich einen anderen Namen, der nicht ganz so einfach und etwas platt den Inhalt beschreibt. Und damit fing die Suche an.
Bei mir hat das wahrscheinlich wie bei allen anderen angefangen, die sich auch einen Namen für ein Projekt oder Produkt überlegen müssen. Ich nahm ein großes, weißes Papier und schrieb alle Namen auf, die mir in den Sinn kamen. Nach etwa 10 Minuten waren erst einmal all die gewöhnlichen Wörter aufgeschrieben und ich blickte zufrieden aber noch nicht überzeugt auf das Ergebnis. Ich fing dann an die Wörter, die mir am besten gefielen einzukreisen. Von vielleicht 40 Begriffen bleiben dabei 5 übrig. Dann schaute ich nach, was es alles schon zu diesen 5 Begriffen gab und ich musste verwundert feststellen, dass erstens schon zu allen Begriffen irgendwie ein Geschäft, ein Produkt, eine Idee existierte und das zweitens die dafür verfügbaren Webseiten Endungen wie .de / .com / .net / .org natürlich alle schon längst vergeben waren. Und was jetzt? Wer will schon mit einer Endung wie .biz seine Unternehmung starten?
Ok, das Blatt wird wieder weggelegt und am nächsten Tag beginnt das Spiel von neuem mit einem neuen Blatt Papier und weiteren, jetzt vielleicht etwas kreativeren Einfällen. Und wieder 40 oder 50 neuen Begriffen, am Ende wieder 5 Favoriten eingekreist und wieder das frustrierende Erlebnis beim Check der eben für noch so kreativ befundenen Namen.
An dieser Phase merkte ich dann, dass ich ohne “professionelle” Hilfe nicht weiterkomme und ich las unzählige Ratgeber-Artikel, die man bei der Google-Recherche zu “How to find a name for your startup/company/product” findet.
Und bei dieser Recherche bin ich auf so lustige und hilfreiche Tools wie den Wort-Generator Wordoid gestossen. Dort kann man Wörter bzw. Buchstaben eingeben, auswählen ob dieses am Ende, in der Mitte oder am Ende wiederauftauchen sollen und dann generiert die App zahlreiche Wortkombinationen. Am besten mal selber ausprobieren, macht sehr viel Spass und ist durchaus inspirierend.
Ein zweites Tool, das ich durchaus schätzen gelernt habe sind Thesaurus Apps oder Online-Seiten, die einen wegführen von den naheliegenden Begriffen, die ja schon alle vergeben sind, hinzu Bedeutungen und Möglichkeiten, die auch in Frage kommen könnten.
In Schilderungen von anderen Gründern habe ich gelesen, dass sich dieser Prozess durchaus einige Wochen hinziehen kann.
Bei mir hat das etwa drei bis vier Wochen gedauert, in denen ich mal intensiv und weniger intensiv mich mit der Namensfindung beschäftigt habe. Eine etwas unbefriedigende Zeit, denn parallel arbeitete ich ja schon weiter am Projekt und irgendwie ist das Baby schon halb auf der Welt aber einen richtigen Namen hat es noch nicht.
Bei all den Namen, die ich in der Zeit gedanklich durchgespielt habe, habe ich immer auch den imaginären Telefon-Test gemacht. “XYC, Alexander Schlichter am Apparat. Wie kann ich Ihnen helfen?”. Und sobald ich einige meiner heissen Favoriten diesem einfachen Test unterzogen hatte, verabschiedeten sie sich ganz schnell wieder.
Bei mir kam als Aufgabenstellung hinzu, dass ich eigentlich einen englischsprachigen Begriff suchte, denn ich hatte mich für eine englisch-sprachige, im besten Fall zweisprachige Seite, entschieden, doch versucht mal eine auch für einen noch so umgewandelten, abgewandelten Begriff eine sinnvolle .domain Endung zu finden. Zum Verzweifeln.
Am Ende dieses langen Prozesses ist es dann “Wunderding” geworden. Warum lässt sich in der Rückschau schwer erklären. Für mich war diese Namensfindung eine rein emotionale Geschichte, entweder ein Name funktioniert oder nicht bei einem persönlich und bei “Wunderding” war es irgendwie Liebe auf den ersten Blick oder Klang.
Es ist zwar nicht wie ursprünglich gewollt ein englischsprachiger Begriff geworden, doch ein kurzer, erster Test bei nicht-deutschsprachigen Menschen ergab, dass sie die Bedeutung intuitiv erfassen, so gibt es ja im Englischen auch den Begriff des “Wunderkindes”.
“Wunderding” gefiel mir persönlich sofort, denn er bringt etwa spielerisches, lustiges mit, etwas auf das man sich freut und über das man staunen kann.
Und das alles soll auch meine Publikation mitbringen.

A tool to rule them all?

 

Offiziell hat mein Projekt am 1. April 2015 begonnen durch die Förderung der Robert-Bosch-Stiftung im Programm “Neue Wege im Wissenschaftsjournalismus”.
Zu diesem Zeitpunkt trug das Projekt noch den Namen “Startup Stories” und das ist der erste Abschnitt aus meinem Antrag an die Stiftung.

“Startup-Story” ist eine journalistische Web-Application, die Wissenschafts-Startups vorstellt. Sie erklärt den innovativen Ansatz, die Technik und Forschung dahinter, portraitiert die Menschen und begleitet die Geschichte des Unternehmens über einen längeren Zeitraum multimedial (Film, Text, Infografiken). Als Wissenschafts-Startups verstehe ich Unternehmensgründungen, die ihren Ursprung an Universitäten oder Forschungseinrichtungen haben und deren Geschäftsidee auf einer wissenschaftlichen Innovation/Entdeckung beruht.

So stand es da auf dem Papier und jetzt hatte ich endlich die Chance WUNDERDING Wirklichkeit werden zu lassen. An das Konzept und die Entstehungsgeschichte erinnere ich mich gerne zurück, denn ich habe es nachts, als die Kinder schon schliefen, während unseres Zelturlaubs in Schweden auf meinem iPad geschrieben. Ende August 2015 endete das Programm der Bosch-Stiftung und vorher hatte ich keine Zeit gefunden.

Schon in meinem Antrag hatte ich festgelegt, dass ich mein Projekt, das die Welt der Startups zum Inhalt hat, ebenfalls als Startup ansehe. Ein publizistisches Startup, das ich nach den Prinzipen des “Lean Startup” entwickeln werde.
Ich will an dieser Stelle nicht eine Einführung in “Lean Startup” geben, aber ganz grob zusammengefasst lässt sich der Ansatz so zusammenfassen, dass man zügig ein erstes Produkt entwickelt, ein Minimum Viable Product (MVP), dieses Produkt schnell an den Markt bringt und dann durch User-Feedback lernt, ob der User/Nutzer/Käufer das, was man sich ausgedacht hat, überhaupt annimmt und braucht.
Das Feedback (qualitativ z.B. durch User-Befragung oder quantitativ anhand von Click-Zahlen) ist dann die Grundlage für den Lernprozess und so steht der User/Nutzer/Leser/Käufer im Mittelpunkt und bestimmt den Weg der Entwicklung.
Am Ende kommt dabei oft etwas ganz anderes heraus als was der Gründer/-in sich ursprünglic ausgedacht hat. Denn während des Prozesses des “Lean Startup” merkt er/sie, was sein User/Kunde/Käufer wirklich braucht, was einen Mehrwert/Nutzen schafft und mit was für einer Idee er/sie tatsächlich Geld verdienen kann. Und nur das allein zählt, wenn man ein Unternehmen aufbauen will, mit dem Ziel, davon leben zu können.

Anfang April 2015 stand ich also vor der Herausforderung ersteinmal dieses Minimum Viable Product zu gestalten und dann mithilfe des “Lean Startup” Prinzips weiterzuentwickeln. Bei aller Begeisterung bei mir und bei vielen anderen Gründern über dieses Prinzip, muss ich an dieser Stelle warnend hinzufügen, dass “Lean Startup” natürlich alles andere ist als ein sicheres, reproduzierbares Rezept auf dem Weg zum Erfolg.
Es bietet lediglich einen Rahmen und Stützpfeiler in dem Vorgang “Startup-Gründung”, der ansonsten geprägt ist von Chaos, Unsicherheit und Unwissenheit.
Letztendlich hat Eric Ries in seinem Buch einen Weg zusammengefasst, den alle erfolgreiche Gründer intuitiv und durch einen harten Lernprozess gegangen sind.
Das kann man sehr schön in Jessica Livingston´s phanastischem Interview-Buch Founders at work nachlesen.
In diesem Buch interviewt sie so berühmte Gründer wie Steve Wozniak (Apple), Max Levchin (Paypal), Craig Newmark (craiglist), Charles Geschke (Adobe) und Stephen Kaufer (TripAdvisor) und es faszinierend zu lesen, wie kurvenreich ihr Weg war, mit tiefen Tälern, kleinen Anhöhen und der entscheidenden Beharrlichkeit aus einer Anfangsidee ein erfolgreiches Produkt zu entwickeln.

Einen Rahmen für das Ganze – “Lean Startup” und “Disciplined Entrepreneurship”

 

Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich die Zusage der Robert-Bosch-Stiftung über die Förderung meines WUNDERDING-Projekts bekommen. Im Rahmen des Programms “Neue Wege im Wissenschaftsjournalismus” wird es gefördert.
In diesem einem Jahr ist viel passiert und eigentlich war mein Plan auch schon diesen Prozess in einem Blog zu dokumentieren. Doch leider hat auch der Tag eines Gründers nur 24 Stunden und so blieb die Dokumentation auf der Strecke. Das werde ich jetzt nachholen, denn in Wahrheit stecke ich mitten drin in der Entwicklung und das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse für jeden Gründer: die Entwicklung wird nie abgeschlossen sein. In kurzen Artikel werde ich die gerade stattfindende Entwicklung beschreiben und dabei auch zurückblicken auf das, was schon passiert ist.
Für den Entwicklungsprozess für WUNDERDING habe ich mich in den letzten Monaten intensiv mit dem Themen Entrepreneurship und Startup-Entwicklung beschäftigt, viele Bücher, Artikel und Blogs gelesen und aus der Synthese dieser Recherche versuche ich nun mein eigenes Startup zu entwickeln.

Diesen Prozess lehne ich an drei Bücher an, die auch vielen anderen Startups weltweit einen Rahmen für die Entwicklung bieten.
Das berühmteste ist sicherlich “Lean Startup” von Eric Ries. Es liefert einen systematischen Rahmen für die Entwicklung eines Startups. Das zweite Buch ist “The Lean Product Playbook” von Dan Olsen. Wie schon man Titel zu erkennen, baut es auf “Lean Startup” auf, zerlegt den Prozess dazu in praktikable Einzelschritte.

Genauso wichtig wie “Lean Startup” ist für mich “Disciplined Entrepreneurship” des MIT Wissenschaftlers Bill Aulet. Es gliedert die Gründung in 24 Einzel-Schritte, die Aulet sehr anschaulich beschreibt und mit Beispielen erläutert.

Im nächsten Blog-Artikel werde ich den aktuellen Stand bei WUNDERDING beschreiben.

 

 

Making of – WUNDERDING

WUNDERDING ist eine Web-Publikation, die über über Wissenschafts-Startups berichtet und sie über einen längeren Zeitraum begleitet. Unterstützt durch eine Förderung der Robert-Bosch-Stiftung entwickle ich diese Web-Publikation und dokumentiere diesen Prozess auf dieser Seite.

Ähnlich wie die Unternehmen, über die ich berichte, sehe ich “WUNDERDING” als ein Startup. Es ist ein Startup im publizistischen Bereich und meine “WUNDERDING”-Projektentwicklung werde ich mit diesem Blog dokumentieren. Sie basiert auf der Methode, die Eric Ries in seinem Buch “Lean Startup” vorstellt und im wesentlichen auf folgenden Schritten beruht: 1. Start eines ersten Entwicklungszykluses mit Entwicklung eines Application Prototyps 2. Testen des ersten Prototyps (z.B. durch A/B-Tests) 3. Lernen anhand der Ergebnisse 4. neuer Entwicklungszyklus.

Die Umwälzungen im Journalismus sind jedem, der in diesem Bereich arbeitet, aber auch einer breiten Öffentlichkeit durch die Berichterstattung zu Verlags-Krisen, Stellenabbau etc., präsent. Projekte wie Substanz-Magazin oder Kraut-Reporter versuchen im (Wissenschafts-) Journalismus, andere digitale Erzähl- und Finanzierungsformen zu finden.
Angesichts der so oft zitierten Snow-Fall Geschichte der New-York Times, möchte ich einen anderen Weg des digitalen Publizierens aufzeigen, der auch ohne riesiges Entwickler-, Designer- und Journalistenteam funktioniert und zum Nachmachen anregt und auch für kleine Teams mit geringeren Ressourcen praktikabel ist.
Den Entwicklungsprozess des Projekts werde ich sowohl auf der inhaltlichen Seite (multimediales Erzählen) als auch auf der technischen Seite (Aufbau einer journalistischen Publikationsplattform) dokumentieren und zur Diskussion stellen.

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